Anspruchsdenken und Faulheit

Januar 4th, 2007

… das sind laut Stammtisch hervorstechende Eigenschaften des Lehrerstandes. Obwohl dieses Pauschalurteil sicher für viele ungerecht ist, tun gerade die Lehrer selbst viel, damit es erhalten bleibt und wächst:

Am 04.01.07 in der Presse (lsw) zu lesen: „Freiburg läßt Lehrer Schnee schaufeln“. Dahinter steckt ein Sparbeschluß der Stadt, dass Lehrer künftig für Verkehrssicherheit der ihnen (kostenlos?) gestellten Parkplätze selbst sorgen müßten. Bisher hatten das Hausmeister mit – nun einzusparenden – Zusatzkosten erledigt. Da Freiburg praktisch Pleite ist, ein wahrscheinlich kleiner, aber sinnvoller Sparbeitrag.

So weit, so gut. Aber „Lehrer und Schulleiter kritisieren den Plan. Er führe dazu, dass Lehrer Schnee schippen müßten, statt ihre Klasse zu unterrichten.“ (Zitat lsw, Hervorhebung nicht im Original).

Hallo, jemand zu Hause im Oberstübchen? Auf die Idee, dass man eben früher aufstehen muss zum Schnee räumen, wie hundertausende Hausbesitzer und Mieter, kommt anscheinend keiner. Man kann auch einen Schneeräumdienst beauftragen, wenn man dazu zu faul ist. Auf jeden Fall muss man den Job nicht während der Unterrichtszeit machen. Manche könnten ja auch öffentliche Verkehrsmittel nehmen – Vorbildfunktion ist ein weites Feld. (Nebenbei fällt mir ein ein Extremfall im eigenen Umfeld ein, wo eine Lehrerin täglich mit dem Auto ca. 0,5 – 1 km von ihrer Wohnung zur Schule fährt. Das ist aber nicht alles; wenn sie zu Fuß ginge, könnte sie die Schule über einen Fußweg nach 200 m erreichen!!!! (Entfernungen grob geschätzt))

D.h., die Lehrer, die hier bei der Presse deshalb Panik machen und die Schüler quasi als Geiseln nehmen, tun alles, um ein Vorurteil zum gerechten Urteil werden zu lassen. Und solche Eigentore gibt es viel zu viele – und vor allem Lehrer, die sie im naiven Glauben, im Recht zu sein, schiessen.

Draussen vor der Tür (outdoor)

Januar 1st, 2007

Es ist ja noch einzusehen, dass man lieber outdoor schreibt, wenn man einen „coolen“ Katalog für die kaufkräftige Zielgruppe der Freiluftfreunde erstellt. Also ist auch der Titel „Outdoor’s Best“ für einen Katalog der Fa. Larca noch erträglich – bei Outdoor Equipment (auf der Website) werde ich schon langsam kribbelig. Der sprachliche Schwachsinn nimmt Fahrt auf: Er erreicht Höhepunkte in der Katalog-Kapiteleinteilung, beginnend mit „Family“ für Kinderartikel (wenn es schon denglish sein muss, dann doch Kids! – zeigt aber schön, dass das Sprachgefühl wohl eine metasprachliche Qualifikation ist).

Obwohl dem Autor die Begriffe Unterwäsche, Sommer, Reise, Herren (men), Damen (women) und zahllose mehr, wie aus dem Text zu entnehmen, bekannt sind, müssen die Katalogabschnitte underwear, travel wear oder summer wear men bzw. women heissen. Die Liste läßt sich endlos verlängern. Bei manchen Begriffen habe ich für die englische Bezeichnung sogar Verständnis, dient sie doch dazu, den Leser zu verwirren, um ihm noch etwas mehr Kaufmotivation zu geben: Es gibt rain wear und all weather systems, aber die Notfall- und Leichtponchos sind unter accessories zu finden, wahrscheinlich, weil man sie dort nicht sucht. Auch die feinen Unterschiede von active trail, travel und x-trail (in dieser Reihenfolge) gehören wohl in diese Kategorie. Leider habe ich bei „washbags and more“ keine accessories für Gehirnwäsche gefunden, obwohl eine kleine Pflegespülung vielleicht helfen würde.

Fast überfordert war ich bei den sleeping bags – die Bezeichnung summer sleeping bags ist ja noch klar, bei classic wird es schon schwer, bei down sleeping bags echt schwer: Hat es was mit Down Syndrom zu tun? sicher nicht, das wäre zu direkt; ein Blick auf die Preise widerlegt auch die Arbeitshypothese, dass es sich um heruntergesetzte Sonderangebote handelt. Erst die Lektüre einzelner Angebote hilft weiter. Es handelt sich um die guten alten Daunenschlafsäcke (aber ck und ä ist sicher zu viel Deutsch). Bei cookware gehen bei mir die outdoor lights endgültig aus. Was bags sind, weiss ich; was duffles sind, will ich nicht mehr wissen.

Wen die Firma Larca erreichen wollte, dass ich den Katalog aufmerksam lese, hat sie das zwar erreicht. Sie hat aber auch erreicht, dass ich bei einer Firma, die ihre Kunden offensichtlich für bescheuert hält – so jedenfalls muss ich diesen Katalog verstehen – sehr ungern kaufe.

Dagegen kann Larca nur noch mit einer Methode etwas unternehmen: Ein Katalog mit Sonderangeboten – auf deutsch.

Deutsch und Landwirtschaft

November 12th, 2006

Sonntag Aktuell vom 12.11.06: Auf Seite 32 schreibt Frau Anja Rützel einen insgesamt durchaus amüsanten Beitrag über ein Pferd. Aber in der an sich auch gelungenen Passage über „Mädchenfachliteratur“ (zu Pferden) ist “ … zu oft von Hufauskratzen, langwierigen Striegeleien und monströsen Schubkarren voller dampfender Gülle die Rede“.

Letzteres wäre wohl nicht einmal den schlimmsten Autoren von Mädchen-Pferde-Schicksal-Heimat-Büchern eingefallen. Wer so etwas schreibt, weiss entweder nicht, was Gülle ist oder eine Schubkarre oder beides. Zumindest hat sie noch nie versucht, mit einer Schubkarre wässrige Güter selbst zu transportieren. Oder darüber nachgedacht, wie die Gülle eigentlich in die Schubkarre hineinkommen soll – mit der Mistgabel?

Also Frau Rützel: Bei etwas mehr Liebe zum Detail wird der witzige Grundansatz nicht durch nerven mit falschen Begriffen getrübt – mit den in der Literatur genannten Schubkarren wird Mist transportiert und das ist – im Gegensatz zu Sprache – auch der zugedachte Verwendungszweck.

Monster-Lkw im Anmarsch

November 12th, 2006

Die neuen Lkws werden noch schwerer, noch länger – und noch gefährlicher und verkehrbehindernder.

Heute schon sind Lkws so lang, daß sie an etlichen regulären Autobahnauffahrten Probleme haben, um’s Eck zu kommen. Heute schon verursachen sie enorme Straßenschäden, für die kein Geld da ist – und deren Reparatur, wenn das Geld doch irgendwo abgezwackt wird, Staus und Zeitverluste ohne Ende verursacht. Heute schon werden durch Lkw-Auffahrunfälle unschuldige Autofahrer am Stauende in ihren Autos durch die riesige Lkw-Masse zerdrückt wie in einem Fleischwolf. Heute schon sterben jedes Jahr Fußgänger und Fahrradfahrer – zerquetscht von Lkws beim abbiegen, weil sie dummerweise im toten Winkel stehen – so eine Unverschämtheit, vor allem von Kindern. Einfach in den toten Winkel schleichen und durch ihr Ableben den Ruf der tollten Lkw-Branche schädigen!

Und nun soll das alles noch viel besser, d.h. schlimmer werden. Größe und Gewicht nehmen weiter zu. Die Ausnahmegenehmigungen wie in Stuttgart werden nicht für die Durchfahrt der Stadt erstellt. Wie blöde sind die Verantwortlichen eigentlich? Wie soll damit Erfahrung mit den Auswirkungen gesammelt werden? (Damit jedenfalls werden die Ausnahmegenehmigungen begründet.)

Die spätere Zulassung dagegen wird allgemein sein! Man bekommt ja heute schon durchaus sinnvolle Lkw-Fahrverbote nicht auf die Reihe. Wer glaubt denn, dass dies besser wird, wenn es um die Monster-Lkws geht, die man kurz zuvor mit pipapo als Rettung aus aller Not erst zugelassen hat (haben wird)? Lieber wird man den Verkehr vollends zusammen brechen lassen.

Schreibt euren Abgeordneten in den Landtagen, im Bundestag, im Europaparlament. Diese Monster dürfen nicht auch noch auf das Schlachtfeld Strasse losgelassen werden und noch mehr Opfer, noch mehr Staus fordern.

P. S.: Eine der Vorhersagen für die Einführung ist, dass damit noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße geholt werden kann. Das Schärfste daran ist, dass dies als Begründung für die dringende Notwendigkeit verwendet wird, nicht als Ablehnungsargument. Wie bescheuert müssen wir Bürger sein, wenn wir uns das gefallen lassen?

 

Warum NervBlog?

November 9th, 2006

Wenn man mit offenen Augen (und Ohren) durch die Welt läuft, sieht und hört man vieles, was nicht in Ordnung ist. Angeblich kann man dagegen als Einzelner nichts tun. Da bin ich anderer Meinung:

Wer deutlich macht, was ihn nervt, erfährt oft unerwartet viel Zustimmung. Alleine der Umstand, dass jemand den Mißstand anspricht und die Erfahrung, dass dieser auch andere aufregt, trägt dazu bei, das Übel etwas zurück zu drängen.

Wenn jeder, auch in kleinen Dingen, seine Möglichkeiten ausschöpft, wird es (irgendwann, nicht viel, aber doch) besser. Auch die großen Übel unserer Welt entstehen aus einer Summe vieler kleiner Unzuträglichkeiten. Diese zu verringern heißt, den großen Übeln den Dünger zum Wachsen entziehen.

Also gehn wir es an.