Archive for the ‘Medien und gutes Deutsch’ Category

Draussen vor der Tür (outdoor)

Montag, Januar 1st, 2007

Es ist ja noch einzusehen, dass man lieber outdoor schreibt, wenn man einen „coolen“ Katalog für die kaufkräftige Zielgruppe der Freiluftfreunde erstellt. Also ist auch der Titel „Outdoor’s Best“ für einen Katalog der Fa. Larca noch erträglich – bei Outdoor Equipment (auf der Website) werde ich schon langsam kribbelig. Der sprachliche Schwachsinn nimmt Fahrt auf: Er erreicht Höhepunkte in der Katalog-Kapiteleinteilung, beginnend mit „Family“ für Kinderartikel (wenn es schon denglish sein muss, dann doch Kids! – zeigt aber schön, dass das Sprachgefühl wohl eine metasprachliche Qualifikation ist).

Obwohl dem Autor die Begriffe Unterwäsche, Sommer, Reise, Herren (men), Damen (women) und zahllose mehr, wie aus dem Text zu entnehmen, bekannt sind, müssen die Katalogabschnitte underwear, travel wear oder summer wear men bzw. women heissen. Die Liste läßt sich endlos verlängern. Bei manchen Begriffen habe ich für die englische Bezeichnung sogar Verständnis, dient sie doch dazu, den Leser zu verwirren, um ihm noch etwas mehr Kaufmotivation zu geben: Es gibt rain wear und all weather systems, aber die Notfall- und Leichtponchos sind unter accessories zu finden, wahrscheinlich, weil man sie dort nicht sucht. Auch die feinen Unterschiede von active trail, travel und x-trail (in dieser Reihenfolge) gehören wohl in diese Kategorie. Leider habe ich bei „washbags and more“ keine accessories für Gehirnwäsche gefunden, obwohl eine kleine Pflegespülung vielleicht helfen würde.

Fast überfordert war ich bei den sleeping bags – die Bezeichnung summer sleeping bags ist ja noch klar, bei classic wird es schon schwer, bei down sleeping bags echt schwer: Hat es was mit Down Syndrom zu tun? sicher nicht, das wäre zu direkt; ein Blick auf die Preise widerlegt auch die Arbeitshypothese, dass es sich um heruntergesetzte Sonderangebote handelt. Erst die Lektüre einzelner Angebote hilft weiter. Es handelt sich um die guten alten Daunenschlafsäcke (aber ck und ä ist sicher zu viel Deutsch). Bei cookware gehen bei mir die outdoor lights endgültig aus. Was bags sind, weiss ich; was duffles sind, will ich nicht mehr wissen.

Wen die Firma Larca erreichen wollte, dass ich den Katalog aufmerksam lese, hat sie das zwar erreicht. Sie hat aber auch erreicht, dass ich bei einer Firma, die ihre Kunden offensichtlich für bescheuert hält – so jedenfalls muss ich diesen Katalog verstehen – sehr ungern kaufe.

Dagegen kann Larca nur noch mit einer Methode etwas unternehmen: Ein Katalog mit Sonderangeboten – auf deutsch.

Deutsch und Landwirtschaft

Sonntag, November 12th, 2006

Sonntag Aktuell vom 12.11.06: Auf Seite 32 schreibt Frau Anja Rützel einen insgesamt durchaus amüsanten Beitrag über ein Pferd. Aber in der an sich auch gelungenen Passage über „Mädchenfachliteratur“ (zu Pferden) ist “ … zu oft von Hufauskratzen, langwierigen Striegeleien und monströsen Schubkarren voller dampfender Gülle die Rede“.

Letzteres wäre wohl nicht einmal den schlimmsten Autoren von Mädchen-Pferde-Schicksal-Heimat-Büchern eingefallen. Wer so etwas schreibt, weiss entweder nicht, was Gülle ist oder eine Schubkarre oder beides. Zumindest hat sie noch nie versucht, mit einer Schubkarre wässrige Güter selbst zu transportieren. Oder darüber nachgedacht, wie die Gülle eigentlich in die Schubkarre hineinkommen soll – mit der Mistgabel?

Also Frau Rützel: Bei etwas mehr Liebe zum Detail wird der witzige Grundansatz nicht durch nerven mit falschen Begriffen getrübt – mit den in der Literatur genannten Schubkarren wird Mist transportiert und das ist – im Gegensatz zu Sprache – auch der zugedachte Verwendungszweck.