Archive for November, 2006

Deutsch und Landwirtschaft

Sonntag, November 12th, 2006

Sonntag Aktuell vom 12.11.06: Auf Seite 32 schreibt Frau Anja Rützel einen insgesamt durchaus amüsanten Beitrag über ein Pferd. Aber in der an sich auch gelungenen Passage über „Mädchenfachliteratur“ (zu Pferden) ist “ … zu oft von Hufauskratzen, langwierigen Striegeleien und monströsen Schubkarren voller dampfender Gülle die Rede“.

Letzteres wäre wohl nicht einmal den schlimmsten Autoren von Mädchen-Pferde-Schicksal-Heimat-Büchern eingefallen. Wer so etwas schreibt, weiss entweder nicht, was Gülle ist oder eine Schubkarre oder beides. Zumindest hat sie noch nie versucht, mit einer Schubkarre wässrige Güter selbst zu transportieren. Oder darüber nachgedacht, wie die Gülle eigentlich in die Schubkarre hineinkommen soll – mit der Mistgabel?

Also Frau Rützel: Bei etwas mehr Liebe zum Detail wird der witzige Grundansatz nicht durch nerven mit falschen Begriffen getrübt – mit den in der Literatur genannten Schubkarren wird Mist transportiert und das ist – im Gegensatz zu Sprache – auch der zugedachte Verwendungszweck.

Monster-Lkw im Anmarsch

Sonntag, November 12th, 2006

Die neuen Lkws werden noch schwerer, noch länger – und noch gefährlicher und verkehrbehindernder.

Heute schon sind Lkws so lang, daß sie an etlichen regulären Autobahnauffahrten Probleme haben, um’s Eck zu kommen. Heute schon verursachen sie enorme Straßenschäden, für die kein Geld da ist – und deren Reparatur, wenn das Geld doch irgendwo abgezwackt wird, Staus und Zeitverluste ohne Ende verursacht. Heute schon werden durch Lkw-Auffahrunfälle unschuldige Autofahrer am Stauende in ihren Autos durch die riesige Lkw-Masse zerdrückt wie in einem Fleischwolf. Heute schon sterben jedes Jahr Fußgänger und Fahrradfahrer – zerquetscht von Lkws beim abbiegen, weil sie dummerweise im toten Winkel stehen – so eine Unverschämtheit, vor allem von Kindern. Einfach in den toten Winkel schleichen und durch ihr Ableben den Ruf der tollten Lkw-Branche schädigen!

Und nun soll das alles noch viel besser, d.h. schlimmer werden. Größe und Gewicht nehmen weiter zu. Die Ausnahmegenehmigungen wie in Stuttgart werden nicht für die Durchfahrt der Stadt erstellt. Wie blöde sind die Verantwortlichen eigentlich? Wie soll damit Erfahrung mit den Auswirkungen gesammelt werden? (Damit jedenfalls werden die Ausnahmegenehmigungen begründet.)

Die spätere Zulassung dagegen wird allgemein sein! Man bekommt ja heute schon durchaus sinnvolle Lkw-Fahrverbote nicht auf die Reihe. Wer glaubt denn, dass dies besser wird, wenn es um die Monster-Lkws geht, die man kurz zuvor mit pipapo als Rettung aus aller Not erst zugelassen hat (haben wird)? Lieber wird man den Verkehr vollends zusammen brechen lassen.

Schreibt euren Abgeordneten in den Landtagen, im Bundestag, im Europaparlament. Diese Monster dürfen nicht auch noch auf das Schlachtfeld Strasse losgelassen werden und noch mehr Opfer, noch mehr Staus fordern.

P. S.: Eine der Vorhersagen für die Einführung ist, dass damit noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße geholt werden kann. Das Schärfste daran ist, dass dies als Begründung für die dringende Notwendigkeit verwendet wird, nicht als Ablehnungsargument. Wie bescheuert müssen wir Bürger sein, wenn wir uns das gefallen lassen?

 

Warum NervBlog?

Donnerstag, November 9th, 2006

Wenn man mit offenen Augen (und Ohren) durch die Welt läuft, sieht und hört man vieles, was nicht in Ordnung ist. Angeblich kann man dagegen als Einzelner nichts tun. Da bin ich anderer Meinung:

Wer deutlich macht, was ihn nervt, erfährt oft unerwartet viel Zustimmung. Alleine der Umstand, dass jemand den Mißstand anspricht und die Erfahrung, dass dieser auch andere aufregt, trägt dazu bei, das Übel etwas zurück zu drängen.

Wenn jeder, auch in kleinen Dingen, seine Möglichkeiten ausschöpft, wird es (irgendwann, nicht viel, aber doch) besser. Auch die großen Übel unserer Welt entstehen aus einer Summe vieler kleiner Unzuträglichkeiten. Diese zu verringern heißt, den großen Übeln den Dünger zum Wachsen entziehen.

Also gehn wir es an.